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©opyright: Dirk Rühmann, 38126 Braunschweig, Costiverlag mehr als 100 Kriminalromane aus der Region Braunschweig sowie Informationen über die Stadt und Umgebung auf www.bs-krimi.de Namen, Personen und Handlung dieser Kriminalgeschichte sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder tatsächlichen Ereignissen wäre zufällig und unbeabsichtigt. Das gesegnete Alter
Timo Lück war ein junger Mann von zwanzig Jahren mit kurzen braunen Haaren. Er war schlank, hatte blaue Augen und ihn kennzeichnete ein betont freundliches Wesen. Höflichkeitsregeln schienen ihm sehr vertraut. Kurzum bei Timo handelte es sich um den netten jungen Mann von nebenan. Gerade hatte sein Studium der Betriebswirtschaft im letzten Herbst begonnen. In seiner Freizeit streifte er durch Braunschweig, machte Spielotheken und Diskos unsicher. Bei alten Menschen genoss Timo Ansehen. Sie vertrauten sich ihm an und er half ihnen, wo er konnte. Einkäufe erledigte er für sie ebenso wie Gänge zum Geldautomaten oder zur Bank sowie zu Behörden. Emma Preuße zählte einundneunzig Jahre. Sie war schwach, abgemagert und hatte schütteres weißes Haar. Doch sie wohnte noch allein in ihrem Haus in der Braunschweiger Südstadt. Timo sah regelmäßig bei der alten Dame vorbei. Sie erwartete ihn schon sehnsüchtig an diesem Dienstagmorgen. Er besaß einen Haustürschlüssel und betrat die Doppelhaushälfte gegen elf Uhr vormittags. Auf einen Holzstock gestützt kam sie ihm freudestrahlend im Hausflur entgegen. Doch Timo war anders als sonst. Keine Spur von Freundlichkeit zierte sein Gesicht. Sein Antlitz war voller Aggressivität. Emma Preuße verstand nicht. Dann schrie er sie an, riss ihr den Handstock aus der Hand, schloss die Kellertür auf und stieß sie mit brachialer Gewalt die Treppe hinunter. Um Hilfe schreiend purzelte die alte Frau Stufe für Stufe nach unten. Dann wurde es still. Die Schreie erstarben und wechselten über in ein leises Jammern. Timo machte die Kellertür zu und verschloss sie von außen. Dann zog er sich Handschuhe an, ging gezielt zum Tresor, der hinter einem Bild im Wohnzimmer versteckt war, öffnete ihn und entwendete die dort gebunkerten dreitausend Euro. Anschließend verließ er das Haus. Er unternahm einen Streifzug quer durch Braunschweigs Spielhallen hindurch. Eine Menge von dem erbeuteten Geld verprasste Timo einfach so. Als die Dunkelheit einzusetzen begann, trieb er sich in Kneipen herum und betrank sich sinnlos. Am späten Abend ließ er sich mit einem Taxi in seine Zweizimmerwohnung eines mehrgeschossigen Hauses im Heidberg fahren. Dort stolperte er volltrunken ins Bett und schlief sofort ein. An die von ihm in den Keller gestürzte alte Frau verschwendete er nicht einen einzigen Gedanken.
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Erst gegen Mittag des darauffolgenden Tages erwachte er aus seinem Alkoholkoma. In der Magengegend fühlte er sich schlecht. Außerdem hatte er starke Kopfschmerzen. Timo löste eine Aspirin in einem Glas Wasser auf. Er sah dabei zu, wie sich die Tablette allmählich auflöste und mit dem Sprudeln der Kohlensäure verschmolz. Ungewaschen streifte er sich die Sachen des Vortages über und ging in den Fahrradkeller des Wohnhauses. Er trug den Drahtesel nach oben und fuhr schnell rüber in die benachbarte Südstadt. Vor dem Haus von Emma Preuße stellte er sein Fahrrad ab und schloss die Tür auf. Vorsichtig betrat er das Haus. Die Kellertür war verschlossen. Er öffnete sie und rief ein Hallo in den dunklen Keller hinein. Eine Antwort blieb aus. Dann stieg er vorsichtig die Treppe hinunter. Auf der untersten Stufe lag der leblose Körper der alten Dame. Sie hatte die Folgen des Sturzes nicht überlebt. Diesmal ließ er die Kellertür offen, als er das Haus verließ. Die alte Frau von gegenüber grüßte Timo freudig. Freundlich lächelnd grüßte er zurück und fragte nach ihrem Befinden. "Wenn man das Schlechte nicht zählt, gehts ganz gut. Was macht Frau Preuße?" "Sie ist nicht da." "Nicht da? Verstehe ich nicht." "Komm ich eben morgen wieder. Auf Wiedersehen." Timo schwang sich auf sein Fahrrad und eilte davon. Die alte Frau sah ihm nach und nickte mit dem Kopf, als wollte sie damit sagen, um was für einen vorbildlichen jungen Mann es sich bei Timo handelte.
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Sein Weg führte ihn zum Berliner Platz. Er schloss das Rad an und betrat die Gebäude des Ringcenters. Mit einem Fahrstuhl fuhr er hinauf in die dreizehnte Etage. Dort klingelte er an einer der Wohnungstüren. Ein junges blondes und solargebräuntes Mädchen, das nur leicht bekleidet war, öffnete mit skeptischem Blick die Tür. Mit einem gequälten Lächeln bat sie den Jungen herein. Er folgte ihr in die Wohnung. Pornografische Bilder zierten die Wände. Dann drehte sich das Mädchen zu seinem Besucher um, sah ihm fest in die Augen und spulte ihr Dienstleistungsprogramm samt Preisen ab. Timo unterbrach sie: "Das volle Programm." "O.k. Hundert Euro Vorkasse." "Aber ohne Gummi!" "Ohne Gummi is nich. Gibts bei mir nich." "Fünfhundert." "Ohne Gummi nicht mal für tausend." "Ich will aber." "Dann setz dich doch in einen Nacktflieger nach Usedom. Vielleicht besorgts dir da eine ohne. Und jetzt raus!", wurde sie sehr deutlich und zeigte mit dem Finger zur Tür. "Du dreckige kleine Nutte! Denkst wohl nich Wunder, wer du bist!", schrie er sie an. Dann nahm Timo einen Anlauf und stieß die junge Frau mit voller Wucht gegen die Wand. Er zog sie nach vorne und schmetterte sie ein zweites Mal mit dem Kopf voll gegen die Wand. Blut verschmierte die Tapete. Das Mädchen war bereits bewusstlos. Timo schlug ihren Kopf noch siebenmal gegen die Wand. Dann brach die Prostituierte tot zusammen. Er durchsuchte ihre Wohnung und fand sechstausend Euro in bar. Die steckte er ein und ging. Während die alte Frau am Abend dieses Tages noch immer unbemerkt tot im Keller ihres Hauses lag, wurde das gewaltsame Ableben der Prostituierten in den frühen Abendstunden entdeckt. In größter Eile stellte die Braunschweiger Kripo eine zehnköpfige Sonderkommission zur Aufklärung dieses abscheulichen Verbrechens zusammen. Es wurde die ganze Nacht emsig gearbeitet. Im Büro der Zahn-Zwillinge, die mit dem Prostituiertenmord nicht betraut waren, klingelte das Telefon. Ein Enkel hatte seine zu Tode gestürzte Großmutter gefunden. Anita Zahn fuhr allein raus in die Braunschweiger Südstadt. Mehrere Nachbarn hatten sich vor dem Haus von Emma Preuße versammelt und tuschelten miteinander. Die Kommissarin ging an ihnen vorüber ins fragliche Haus. Dort traf sie auf den 35-jährigen Enkel Olaf Preuße. Sie stellten sich einander vor. Danach führte dieser Mann die Beamtin in den Keller und zeigte ihr seine tote Großmutter. "Tragisch. Mein Beileid. Weshalb haben Sie die Mordkommission angerufen?" "Man könnte denken, dass meine Oma die Kellertreppe runtergefallen ist. Sie ging aber seit zwei Jahren nicht mehr in den Keller. Sie hatte Angst davor, die Treppe runterzufallen." "Wurde hier eingebrochen?", fragte Anita Zahn einen uniformierten Kollegen, der ebenfalls herbeigerufen worden war. Doch der schüttelte verneinend mit dem Kopf. "Haut außer Ihnen noch jemand Zutritt zu diesem Haus?" "Meine Eltern natürlich. Und ein gewisser Timo Lück. Das ist ein junger Mann, der sich sehr rührend um ältere Menschen hier im Umkreis kümmert." "Das klingt nicht gerade nach Fremdverschulden. Vielleicht wollte Ihre Oma unbedingt in den Keller. Möglicherweise brauchte sie dringend etwas aus dem Keller. Und dann ist sie gestürzt." "Sie hätte mich angerufen. Hundertprozentig. Im Keller war nichts mehr, was sie brauchen könnte." "Aber wer soll denn nachgeholfen haben, wenn niemand eingebrochen hat?" "Sie wäre niemals in den Keller gegangen." "Wer profitiert denn von ihrem Tod, Herr Preuße?" "Meine Eltern. Normale Erbfolge." "Fehlt etwas im Hause?" "Allerdings. Bargeld aus dem Tresor. Dass es diesen Tresor gibt, wissen nicht viele." "Also Raubmord ohne Einbruch." "Sie muss ihren Mörder gekannt und selbst hereingelassen haben, Frau Kommissarin." "Dann muss ich die Spurensicherung verständigen und Ermittlungen wegen des Verdachts des Mordes an Ihrer Großmutter einleiten. Dadurch können wir Ihnen eine Obduktion Ihrer Großmutter aber nicht ersparen." "Damit bin ich einverstanden. Wer ihr das angetan hat, der soll bestraft werden."
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Der Sohn der so grausam zu Tode gekommenen Frau bewohnte gemeinsam mit seiner Frau ein Haus in Neindorf. Die Zahn-Zwillinge fuhren gemeinsam zum Ehepaar Preuße. Beide Eheleute hatten bereits ihren Altersruhestand erreicht. Alexander Preuße zählte 65, seine Frau 63 Jahre. Schon 1970 waren die beiden von der Braunschweiger Südstadt nach Neindorf umgezogen. Damals fuhr noch ein Zug von Braunschweig nach Neindorf und weiter über Vorsfelde bis Wolfsburg. Der gemeinsame Sohn war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren. Olaf Preuße hatte seine Eltern telefonisch bereits über den rätselhaften Tod der Mutter und Großmutter informiert. Das Ehepaar Preuße empfing die Kommissarinnen in ihrem schmucken Haus, als seien sie lang angemeldete Gäste. "Mein Mann und ich haben seit Jahren gepredigt, die Emma solle endlich in ein Heim gehen. Aber sie wollte partout nicht. Wir sind zweimal die Woche rübergefahren. Unser Sohn hat sich gekümmert. Doch das alles reicht nicht, wie Sie sehen. Sie hätte nicht mehr allein sein dürfen", jammerte Frau Preuße, die Schwiegertochter. "Ihr Sohn vermutet ein gewaltsames Ende", warf Anita Zahn ein. "Ach, der kuckt zu viel Krimis", winkte Alexander Preuße ab. "Sie sind der Erbe, Herr Preuße?", erkundigte sich Regina Zahn. "Ja. Aber was soll ich mit noch einem Haus? Ich bin 65. Wir werden es unserem Sohn überschreiben", gab er zur Antwort. Dann stellte Anita Zahn aus Routinegründen die Frage nach dem Alibi des Ehepaares Preuße. Sie besaßen keins. Doch gleich darauf fuhren die Kommissarinnen wieder nach Braunschweig zurück. "Indirekt ist also Olaf der Erbe", schlussfolgerte Regina, die am Steuer des Wagens saß. "Schon. Aber weshalb bringt er uns dann erst darauf, dass es Mord und kein natürlicher Tod war? Das wäre doch dumm, wenn er selbst der Mörder wäre."
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Timo Lück besuchte an diesem sonnigen Vormittag das hoch betagte Ehepaar Schmidt. Als er in deren Haus am Malerweg eintrat, stand der Hausherr zitternd und weinend im Flur. "Was ist denn los?", fragte Timo scheinbar besorgt. "Die Lieselotte ist im Krankenhaus. Und unser Auto ist Schrott." "Aber wieso denn? Hatten Sie einen Unfall?" "Am Kennedyplatz. Die Ampeln war'n aus. 'Franz, is frei', hat sie gesagt, die Lieselotte. Da hab ich aufs Gas getreten. Dann hats auch schon gekracht. Voll in die Seite. Die Lieselotte hats voll erwischt. Die Ärzte wissen nicht, ob sie durchkommt." "Wie furchtbar!", stellte Timo fest und dachte bei sich, wen stört es schon, wenn eine 92-jährige Frau abnippelt. Selber schuld! Was müssen sie auch mit über neunzig noch Auto fahren? "Können Sie mir etwas Geld aus dem Automaten holen, Timo?", bat der zitternde Franz Schmidt. "Selbstverständlich. Geben Sie mir die Karte." "Ich gebe Ihnen die von meiner Frau. Holen Sie die restliche Rente von ihrem Konto ab. Bitte. Wissen Sie die Nummer von meiner Frau?" "Vier eins sieben vier", antwortete Timo stolz. "Wie Sie das alles so behalten können!", seufzte der alte Herr und schlurfte mit seinen Pantoffeln durch die Wohnung, um die EC-Karte seiner Frau zu holen. Mit 95 noch Auto fahren, aber zu dumm, Geld aus dem Automaten zu ziehen, dachte Timo Lück bei sich. Dann kehrte Franz Schmidt aus dem muffig riechenden Wohnzimmer in den Flur zurück und überreichte Timo die Karte. Der fuhr damit postwendend zum Welfenplatz, betrat den Raum neben dem Lokal "El Camino" am Torbogen, in dem ein Automat der Volksbank steht. Er fragte den Kontostand von Lieselotte Schmidt ab. Achthundertundzwanzig Euro. Timo drückte nun auf Auszahlung, gab die PIN-Nummer ein und drückte auf eintausendachthundertzwanzig Euro. Er wusste, dass die alte Dame ein Dispolimit von eintausend Euro besaß. Timo zog das Geld und steckte tausend Euro in die eigene Tasche. Dann fuhr er zurück zum Malerweg und händigte Herrn Schmidt den Betrag von achthundertzwanzig Euro aus. Der bedankte sich herzlich und schenkte Timo zwanzig Euro von dem Geld. "Vielen Dank, Herr Schmidt. Alles Gute für Ihre Frau", verabschiedete sich Timo von dem alten Herrn.
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Hauptkommissarin Regina Zahn hatte ihre Schwester Kommissarin Anita Zahn gebeten, die Adresse von Timo Lück herauszusuchen. Sie war der Aufforderung umgehend nachgekommen. Nun fuhren beide gemeinsam in den Heidberg und betraten das Hochhaus, in dem der junge Mann eine Wohnung zur Miete bewohnte. Selbstsicher öffnete Timo die Tür. Er war mit einem kurzärmeligen T-Shirt bekleidet, einer Bluejeans und lief auf weißen Socken. Freundlich bat er die Damen, nachdem sie sich ausgewiesen hatten, in seine Wohnung und machte ihnen höflich Komplimente wegen ihres attraktiven Aussehens. Außerdem frotzelte er darüber, dass sie Zwillinge waren. Kurzum, der junge Mann war den Kommissarinnen höchst sympathisch. Modisch hatte Timo seine Wohnung eingerichtet, aber zugleich auch sehr geschmackvoll. Die drei setzten sich auf einer ledernen Couchgarnitur. "Nicht billig, Ihre Wohnungseinrichtung", stellte Anita fest. "Ich jobbe viel neben dem Studium", rechtfertigte Timo seinen kleinen Reichtum. "Einer Ihrer Nebenjobs ist der, älteren Menschen bei ihren alltäglichen Bedürfnissen behilflich zu sein. Stimmts?", vergewisserte sich Regina. "Das ist korrekt. Eigentlich wollte ich mal Altenpfleger werden. Aber ich habe nur meinen Zivildienst im Seniorenheim abgeleistet. Nun studiere ich BWL." "Sie wollen Betriebswirt werden", schlussfolgerte Anita. "Mal sehen. Ich bin ja noch jung." "Eine der älteren Damen, die Sie betreuen, ist kürzlich zu Tode gestürzt", sagte Regina. "Wer denn?" "Frau Emma Preuße." "Oh Gott, das ist ja furchtbar. Wie ist das passiert?" "Sie stürzte die Kellertreppe hinunter." "Meine Güte. Aber sie ging doch gar nicht mehr alleine in den Keller. Da unten war auch nix mehr." "Das hat uns der Enkel der Toten auch versichert. Wir können deshalb Fremdverschulden nicht ausschließen." Nachdem eben nur Regina Zahn mit dem jungen Timo Lück gesprochen hatte, führte jetzt ihre Schwester Anita das Gespräch fort. "Wann haben Sie Frau Preuße das letzte Mal gesehen?" Timo überlegte kurz. Dann teilte er das exakte Datum mit. Er berichtete ebenfalls, dass er am Tage darauf im Hause von Frau Preuße gewesen war. Doch er traf sie nicht an. Jetzt fiel ihm ein, dass die Kellertür zu diesem Zeitpunkt offen stand. Erschüttert hielt er sich die Hände vors Gesicht und überlegte laut, ob sie in diesem Moment bereits tot im Keller gelegen habe. "Schon möglich", resümierte Anita Zahn. Danach bedankten sich die beiden Kriminalbeamtinnen und verabschiedeten sich von Timo. Der geleitete sie zur Tür hinaus. "Ein sehr sozial eingestellter junger Mann", ließ Regina ihre Schwester wissen, als sie im Treppenhaus nach unten gingen.
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Im Büro sprachen die Zwillinge miteinander über den fragwürdigen Fall. "Und wenn die alte Preuße nicht mehr ganz richtig im Kopf war und ohne einen ersichtlichen Grund plötzlich in den Keller wollte", gab Anita zu bedenken. "Hat sie sich dann auch selbst bestohlen?", wandte das Schwesterchen ein. "Vielleicht hat sie das Geld aus dem Tresor genommen und irgendwo in der Wohnung versteckt?", überlegte Anita. "Ich sehe bald keinen Grund mehr, in diesem Fall weiterzuermitteln. Es gibt Wichtigeres zu tun. Da draußen sterben täglich unverschuldet junge Menschen. Emma Preuße war alt. Sie hatte das ganze Leben ohnehin hinter sich." "Vielleicht hast du Recht. Aber selbst wenn jemand mit 105 Jahren ermordet wird, rechtfertigt das Alter des Opfers nicht die Tat." "Nur ich sehe hier keinen Mord. Auch keinen Mörder."
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Der Bericht der Pathologie lag am nächsten Morgen auf dem Tisch. Aus ihm ging nicht eindeutig hervor, dass Gewaltanwendung im Spiel war. Die Folgen des Sturzes waren zweifelsohne die Todesursache. Doch nichts ließ darauf schließen, dass der Sturz gewaltsam herbeigeführt worden war. Hauptkommissarin Regina Zahn legte den Fall damit zu den Akten. Sie sah einfach keinen Sinn mehr in weiteren Ermittlungen. Dann schnappte sie sich die Tageszeitung. Der brutale Mord an der Prostituierten machte in der Presse Schlagzeilen. Für Emma Preuße interessierte sich niemand. Eine Videokamera vor dem Hochhaus am Berliner Platz hatte alle Menschen festgehalten, die das fragliche Haus betreten hatten. Auf diese Weise hatte die Kripo zahlreiche Freier ausfindig machen können, deren Personalien sie aufgenommen hatte. Ein möglicher Freier hatte sich nicht gemeldet. Die Öffentlichkeit wurde um Mithilfe gebeten. Auf dem Foto in der Zeitung war dieser Freier nur sehr schlecht zu erkennen. Es hätte jeder sein können. Trotzdem erinnerte dieser junge Mann Regina Zahn an Timo Lück. Der Gedanke ließ sie nicht mehr los. Die Hauptkommissarin begab sich hinunter in das Büro ihrer Kollegen, die den Prostituiertenmord bearbeiteten. Sie ließ sich das fragliche Foto vergrößern und betrachtete es sich ganz genau. "Ich weiß, wer der Mann ist", sagte sie schließlich sehr selbstsicher. "Und?", gab sich der Kollege überrascht. "Ich fürchte, ich habe die Akte Emma Preuße etwas zu früh geschlossen", stellte Regina fest und vertröstete ihre Kollegen.
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Anita Zahn glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie sah, dass ihre Schwester die gerade erst geschlossene Akte Preuße wieder zum Vorschein kramte. "Ich denke, du siehst keinen Grund für weitere Ermittlungen", merkte Anita an. "Timo Lück war Kunde bei der ermordeten Prostituierten. Er hat sich als Einziger nicht bei der Polizei gemeldet. Ein und derselbe Mann taucht in Verbindung mit zwei toten Frauen auf. Eine von ihnen wurde definitiv ermordet, bei der anderen bestand der Verdacht." "Das kann doch Zufall sein. Timo ist ein junger gut aussehender Mann. Dass der ein paar Bedürfnisse hat, kann man ihm doch nicht verübeln. Ist doch klar, dass der nicht nur alte Frauen pflegen will." "Klar. Er will auch was erleben. Hättest du von ihm gedacht, dass er zu einer Nutte geht?" "Da gehen doch ganz andere Leute hin, von denen es keiner für möglich gehalten hätte." "Ja, Anita, ich weiß. Hättest du es bei ihm gedacht? Ja oder nein?" "Ehrlich gesagt, nein!" "Da haben wir es. Ich hätte es bei ihm auch nicht angenommen. Fazit: Wir haben uns in dem Mann getäuscht. Wenn es ihm gelungen ist, uns zu täuschen, um wie viel weniger Anstrengung kann er die alten Leute täuschen. Wenn er nun kein barmherziger Samariter, sondern ein eiskalter Mörder ist!" "Du meinst, er hat die alte Frau Preuße die Treppe hinuntergestoßen? Und er hat dann das Geld aus dem Tresor genommen?" "Er hatte einen Schlüssel zum Haus. Denk an seine kostspielig eingerichtete Wohnung. Das könnte ein Motiv sein." "Aber sag mir, Regina, was soll einen jungen Mann antreiben, eine uralte Frau zu töten und anschließend eine junge, bildhübsche Prostituierte?" "Geldgier! Niederste Motive. Der Mörder der Prostituierten ist eiskalt und mit äußerster Brutalität vorgegangen. Sollte Emma Preuße das Opfer desselben Mannes geworden sein, dann hat er sie hinterrücks die Kellertreppe hinuntergestürzt und unten liegen lassen, bis sie tot war. Die Kellertreppe, vor der die alte Dame solche Angst hatte." "Dann hätten wir es mit einem eiskalten Hund zu tun." "Einen, den wir aus dem Verkehr ziehen müssen, bevor er wieder zuschlägt." "Aber wie sollen wir es ihm beweisen?" "Ich will erst mal sein näheres Umfeld erforschen. Vielleicht fällt mir ja etwas ein", runzelte Regina Zahn die Stirn.
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Das Elternhaus von Timo Lück stand Im Gettelhagen in Querum. Timo war Einzelkind. Sein Vater war Topmanager einer großen Firma und viel unterwegs. Die Mutter arbeitete als Tierärztin in der Innenstadt. Am Abend dieses Tages befand sich das Ehepaar zu Hause. Verwundert bat Frau Doktor Lück die an der Tür klingelnden Kriminalkommissarinnen herein. Auch Herr Lück zeigte sich von dem Besuch der Kriminalpolizei überrascht. "Um was geht es?", fragte der Hausherr. "Wie lange wohnt Ihr Sohn nicht mehr bei Ihnen?", fragte Regina Zahn. "Ein Jahr nicht mehr. Vor ziemlich genau einem Jahr ist er bei uns ausgezogen. Warum fragen Sie das?", wollte der Vater wissen. "Bekommt er von Ihnen Taschengeld?", zeigte sich Anita interessiert. "Ja. Wir zahlen ihm auch seine Wohnung. Warum fragen Sie?" "Hat er eine Freundin?", fragte Regina. "Er will erst sein Studium beenden", wusste seine Mutter beizusteuern. "Wissen Sie, dass er sich um alte Leute kümmert?", erkundigte ich Anita. "Ja. Die alten Herrschaften sind ihm so dankbar dafür, dass sie ihm zuweilen recht teure Geschenke machen", antwortete die Mutter. "Was für Geschenke?", hakte Regina nach. "Geld. Das, was junge Leute am meisten gebrauchen können", gab der Vater zur Antwort. "Weshalb fragen Sie uns das alles?", drängelte nun auch die Mutter. "Ihr Sohn ist als alleiniger Erbe eingesetzt worden. Von einer alten Dame, die auf seltsame Weise zu Tode gekommen ist. Da ist es normal, dass wir Nachforschungen anstellen", merkte Regina Zahn an. Verblüfft sah ihre Schwester sie von der Seite an. "Soll das heißen, Sie verdächtigen unseren Sohn des Mordes?", wurde Vater Lück nun sehr wütend. "Wir zählen lediglich eins und eins zusammen. In der Kriminologie kommt dabei allerdings nicht immer zwei heraus", lächelte Regina Zahn, bedankte und verabschiedete sich von dem Ehepaar. Draußen im Dienstwagen zischte Anita ihre Schwester an: "Sag mal, was sollte denn der Quatsch mit der Erbschaft?" "Du, das fiel mir gerade so ein. Somit lassen sich unsere weiteren Nachforschungen logisch erklären, ohne dass Timo übermäßig Verdacht schöpft. Außerdem können wir aus dieser Geschichte noch was machen." "Aber was, Schwesterchen?" "Mal sehen."
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Die Zahn-Zwillinge hatten ausgekundschaftet, in welchem Seniorenheim Timo Lück seinen Zivildienst verrichtet hatte. Es war die Anlage an der Donaustraße. Die beiden fuhren am nächsten Tag dorthin und fragten nach Personen, denen der Verdächtige bekannt war. Die Heimleitung führte die Beamtinnen zu einer Seniorin und einem Senior. Beide erinnerten sich gut und gern an den jungen Zivi zurück. Er hatte sie immer liebevoll behandelt. Schließlich sprachen die beiden noch mit einer fest angestellten Altenpflegerin. Diese erzählte auch überwiegend Positives über Timo, räumte aber ein, dass er auch eine andere Seite hatte. Auf die Frage von Kommissarin Anita Zahn nach dieser anderen Seite gab die Altenpflegerin zur Antwort: "Wenn er über die alten Menschen redete, also nicht in ihrer Gegenwart, verwendete er Ausdrücke, die eiskalt waren. Da kam eine Respektlosigkeit vor dem Alter zum Vorschein." Diese Worte der Altenpflegerin überzeugten Regina Zahn vollends davon, dass Timo Lück der Mörder war: Sowohl von Emma Preuße wie auch von der Prostituierten. "Es ist nicht nur die Respektlosigkeit vor dem Alter, es ist Respektlosigkeit vor dem anderen Leben. Er kennt nur ein Ziel: sich selbst einen Vorteil zu verschaffen – koste es, was es wolle", sagte Regina zu Anita.
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Unter dem Vorwand, Emma Preuße habe Timo Lück zum Alleinerben bestimmt, lockten deren Sohn und seine Frau auf Geheiß der Zahn-Zwillinge ihn zu einer Besprechung in das nun leer stehende Haus der Ermordeten. Timo kam prompt. Er wurde vom Ehepaar Preuße recht herzlich empfangen. Auch Olaf war anwesend. Als sie gemeinsam ins Wohnzimmer gingen, erschrak Timo mächtig. Dort auf dem Sofa saßen Regina und Anita Zahn, die sich erhoben und den angeblichen Erben ebenfalls freundlich begrüßten. "Sie hier?", lächelte Timo süßsauer. "Reine Routine", winkte Regina ab. Dann setzte sie sich. Herr Preuße schenkte für jeden Anwesenden ein Glas Sekt ein. Daraufhin erhob er das Glas und hielt eine gut vorbereitete Rede. "Liebe Anwesenden! Der Anlass, weshalb wir hier heute zusammengekommen sind, ist kein schöner. Wir trauern um unsere Mutter und Großmutter, die wir sehr geliebt haben. Doch haben wir als Familie versagt. Wir, die unmittelbaren Angehörigen, hatten nicht genug Zeit, um uns um unsere Mutter zu kümmern. Aber Emma war nicht allein. Es gab einen jungen Mann, der für sie da war, wann immer sie ihn brauchte. Die Quittung für alles haben wir bekommen. Nicht wir, die direkten Angehörigen erben, für uns bleibt nur der Pflichtteil, dieser junge Mann da erbt alles. Es tut uns leid, dass wir für unsere Mutter nicht das gewesen sind, was wir hätten sein können, ja müssen. Aber wir freuen uns mit Timo Lück, dass er an unserer statt alles erbt. Er hat es durch sein selbstloses und vorbildliches Verhalten auch wirklich verdient. In diesem Sinne, auf Timo! Zum Wohl." Alle erhoben ihre Gläser und tranken einen Schluck. Dann sagte Timo: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ja, kann ich das denn überhaupt annehmen? Es ist mir furchtbar unangenehm." "Sie müssen es annehmen. Es handelt sich schließlich um Emmas letzten Willen", nickte Herr Preuße ihm aufmunternd zu. "Weshalb ist die Polizei heute hier?", fragte Timo etwas irritiert. "So ein Erbe ist ein ganz schönes Tatmotiv", gab Anita zu bedenken. "Da ich aber gar nicht ahnen konnte, dass ich fast alles erben werde, besitze ich kein Tatmotiv und falle somit als Täter aus", sagte Timo sehr bestimmend. "Von Ihnen spricht ja auch niemand", lächelte Regina Timo an. "Wen haben Sie denn dann in Verdacht?" "Den Enkel Olaf", antwortete Anita Zahn. Fassungslos starrten alle auf Olaf Preuße. "Aber ja! Jetzt, wo Sie es sagen!", rief Timo vor Begeisterung aus. "Jetzt, wo wir was sagen?", fragte Regina. "Natürlich. Ich habe Herrn Preuße junior am fraglichen Tag hier im Garen des Hauses herumschleichen sehen", sagte Timo Lück. "Was haben Sie denn hier gemacht?", wollte Anita Zahn von Olaf Preuße wissen. "Ich war nicht hier. Der Mann lügt", lautete die Antwort. "Eine Nachbarin will Sie aber auch am fraglichen Tag hier gesehen haben", schob Regina Zahn nach. "Herr Preuße, Sie kommen da nicht mehr raus. Geben Sie es zu!", forderte ihn Anita Zahn auf. "Du Dreckschwein!", rief Olafs Vater und warf mit dem halb vollen Glas Sekt nach ihm. Der Sekt perlte Olaf über die Nase. Wütend wischte er ihn sich übers Gesicht. "Sie haben Ihre Großmutter umgebracht und den Verdacht auf Timo Lück gelenkt", sagte Regina Zahn kühl und distanziert. Olaf Preuße sprang auf und wollte flüchten. Anita Zahn sprang ihm nach und hielt ihn fest. Olaf Preuße wurde im Gewahrsam der Zahn-Zwillinge vor den Augen es wirklichen Mörders Timo Lück aus dem Haus geführt. "Es tut mir leid für Sie", versicherte Timo Olafs Eltern, "erst verlieren Sie Ihre Mutter auf so brutale Weise und dann noch Ihren Sohn, der der Mörder ist, wie furchtbar!" Timo stand auf und verabschiedete sich von dem Ehepaar Preuße, bedankte sich noch einmal und ging. Als er aus der Tür herauskam, sah er den Verhafteten im Polizeiauto sitzen, das davonfuhr. Die Zahn-Zwillinge standen noch im Garten. Neugierig ging Timo auf die Kommissarinnen zu. "Wie sind Sie denn so schnell auf den Täter gekommen?", erkundigte er sich neugierig. "Nun, Herr Preuße junior dachte, dass er erben würde. Er konnte ja nicht wissen, dass Sie den Reibach machen. Es hat ihm wohl zu lange gedauert. Da hat er die alte Dame hinterrücks die Kellertreppe hinuntergestoßen", erklärte ihm Regina Zahn. "Da Sie Olaf Preuße am Tattag ja selbst im Garten herumstromern gesehen haben, ist er natürlich schnell als Lügner enttarnt worden", fügte Anita hinzu. "Furchtbar! Wenn ich nur dran denke", hielt Timo sich die Hände vors Gesicht. "Aber das Geld aus dem Tresor können nur Sie genommen haben", ging Anita Zahn den jungen Mann scharf an. "Wieso das Geld?", fragte er irritiert zurück. "Wir haben bei einer Durchsuchung Ihrer Wohnung soeben mehr als neuntausend Euro in bar gefunden", überraschte ihn Regina mit ihrer Aussage. "Sie ha -, ha - , haben meine Wohnung durchsucht! Aber warum denn? Dürfen Sie das überhaupt?" "Wenn Sie es waren, der das Geld aus dem Tresor entwendet hat, dann haben Sie das gemacht, als Sie am Tag nach dem Mord in der Wohnung waren und Frau Preuße nicht angetroffen haben. Das bedeutet: Sie wussten, dass Frau Preuße nicht mehr am Leben war", schlussfolgerte Anita Zahn. "Aber nein." "Doch natürlich. Die Kellertür stand ja offen. Da haben Sie sich gefragt, weshalb! Natürlich sind Sie runtergegangen und haben Frau Preuße tot im Keller liegen sehen", sagte Regina Zahn. "Das ist nicht wahr. Die Kellertür war ja zu!", schrie Timo. "Die Tür war zu?", fragte Anita Zahn zurück. "Ausgesagt haben Sie aber, dass die Kellertür offen stand, als Sie ins Haus kamen", erinnerte Regina Timo an dessen Aussage. "Natürlich war sie offen, eh zu", stotterte er. "Offen oder zu?", fragte Anita. "Sie war zu und ich habe sie aufgemacht", korrigierte er sich nun. "Sie haben die geschlossene Kellertür aufgemacht? Warum, wenn Sie nicht nach unten wollten?" "Sie sind nach unten! Weil Sie nachsehen wollten, was mit Frau Preuße war, die Sie am Vortage die Treppe hinuntergestürzt hatten", konfrontierte ihn Regina Zahn mit der Wahrheit. "Olaf Preuße war nachweislich am Mordtage nicht im Haus von Emma Preuße. Das haben wir uns ausgedacht", erklärte Anita Zahn. "Sie haben also gelogen, als Sie diese angebliche Aussage bestätigt haben", entgegnete Regina Zahn. "Sie haben Olaf Preuße überhaupt nicht in Verdacht gehabt", stammelte Timo irritiert vor sich hin. "Na, Sie merken aber auch alles", sagte Anita Zahn. Da zog Timo Lück blitzschnell ein sogenanntes Butterflymesser, sprang auf Regina Zahn zu, nahm sie in den Schwitzkasten und hielt ihr das Messer an die Kehle. "Timo! Sie kommen hier nicht mehr raus. Noch fallen Sie unter das Jungendstrafrecht. Da haben Sie mit Sicherheit noch eine Chance. Wenn Sie nun aber eine Polizistin kidnappen und vielleicht töten, dann ist alles zu spät. Lassen Sie das Messer fallen und lassen Sie meine Schwester los", bat Anita inniglich. "Ich denke gar nicht dran. Ihr Bullenschweine habt mich gelinkt. Dafür werdet ihr büßen!", schrie Timo in einer völlig unkontrollierten Pose. "Dann gehe ich jetzt einen Schritt zurück, damit das SEK freie Bahn zum Schießen hat", sagte Anita selbstischer und setzte einen Schritt zur Seite. Das verunsicherte Timo. Scheinbar eingeschüchtert und verängstigt blickte er sich um. Er wollte herausfinden, wo sich die Beamten vom Sondereinsatzkommando versteckt halten könnten. Regina Zahn wusste all zu gut, dass keine SEK-Beamten vor Ort waren. Ihre Schwester hatte geflunkert. Das war zweifelsohne Reginas Chance, wenn es überhaupt eine war. In atemberaubender Geschwindigkeit jagte sie Timo ihre Ellenbogen in seinen Bauch, sodass er einknickte. Dann drehte sie sich blitzschnell, schlug ihm gekonnt das Messer aus der Hand und zog ihn über ihre Schulter. Timo wurde durch die Luft geschleudert und knallte im hohen Bogen auf das Straßenpflaster. Anschließend legten sie ihm Handschellen an. Das wars. Nun öffnete Herr Preuße die Tür seines Hauses, von dem aus er alles mitangesehen hatte. "Sie und Ihr Sohn waren klasse", rief Anita Zahn zu ihm hinüber.
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Die Zahn-Zwillinge nahmen Timo Lück im Vernehmungszimmer ins Kreuzverhör. Es dauerte nicht lange, da hatte er beide Morde gestanden. "Warum?", fragte Anita Zahn. "Warum? Warum! Die Alte stand doch eh kurz vor der Zwangsentsorgung. Und die Nutte war doch nur ein Stück Scheiße", gab er lächelnd zur Antwort. "Auch wenn Sie mich jetzt anzeigen, aber das Stück Scheiße sind Sie. Abführen diesen Kotzbrocken!", befahl Regina Zahn. Der Mörder wurde von uniformierten Polizisten rausgebracht. "Tja, Schwesterchen. Da haben wir ja bisher ganz gut zusammengearbeitet", merkte Anita an. "Du bist die Rechtshänderin und ich die Linkshänderin. Gemeinsam schlagen wir mit der geballten Doppelfaust zu." "Wir sind eben eineiig." "Apropos Ei. Ich habe einen tierischen Kohldampf. Wollen wir nicht was essen gehen?" "Komm lieber mit zu mir. Ich koch uns was Schönes." "Was denn?" "Lass dich überraschen."
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